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ETH Hauptgebäude, auch Semperbau, um 1890. (Bild ETH)
Maschinenlaboratorium 1900. (Bild ETH)
Studenten bei Versuchen an der Dreizylinder-Dampfmaschine im Maschinenlabor. (Bild ETH)
Das heutige ML sowie im Vordergrund das CLA Gebäude.

1855, sieben Jahren nach der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848, wird die Eidgenössische Polytechnische Schule in Zürich eröffnet. Mitten in der industriellen Revolution erfüllt sich damit der lange Traum einer nationalen Universität, die die zukünftige Elite ausbilden soll. Eine auf die Schweizerischen Bedürfnisse zugeschnittene Ingenieur-Schule wird den Aufbau von technischen Infrastrukturen beschleunigen und die Karrierechancen der heimischen Jugend verbessern, so hofft man. Bei ihrer Eröffnung umfasst die Schule sechs Abteilungen, darunter Architektur, die Ingenieursabteilung mit Strassen-, Eisenbahn-, Brücken- und Wasserbau und die mechanisch-technische Abteilung für den Maschinenbau. (Unternehmen Sie auf ethz.history Zeitreisen durch 150 Jahre Hochschulgeschichte ) Schon 1924 ist das Angebot auf zwölf Abteilungen gewachsen – heute gliedert sich die ETH in sechzehn Departemente (achtzehn ab Januar 2012), die als Lehr- und Forschungseinheit fungieren. Zu Beginn dauert ein Studium nur vier Semester, 1930 werden es acht; heute sind es sechs mit Bachelor-, bzw. neun oder zehn mit Master-Diplom.
Das 1999 eingeführte Departement für Maschinenbau und Verfahrenstechnik D-MAVT umfasst im Wesentlichen die seit der Gründung der ETH bestehende Abteilung für Maschineningenieurwesen und die ihr zugehörigen Institute. Das Departement besteht heute aus neun Instituten, zwei selbständigen Professuren und über 30 Professoren. Insgesamt studieren momentan über 2300 junge Menschen am Departement, Tendenz weiter steigend. Jedes Jahr schliessen rund 60 Absolventen mit dem Doktortitel ab.
Weil das Hauptgebäude des Polytechnikums schnell aus allen Nähten platzt, wird im Jahr 1900 das Maschinenlaboratorium an der Sonneggstrasse eröffnet; das neue Labor wird mit Dampfmaschinen, Verbrennungsmotoren, einer Kältemaschine und einer Dampfturbine ausgestattet. In den achtziger Jahren wird das Maschinenlabor umgebaut, erweitert und modernisiert und das CLA–Gebäude an der Clausiusstrasse eröffnet. 2009 bezieht das D-MAVT das LEO an der Leonhardstrasse, 2014 werden Professoren ihre Büros im neuen ETH-Gebäude LEE „Oberer Leonhard“ ebenfalls an der Leonhardstrasse beziehen. Ebenso hat das Departement Aussenstellen im CAB an der Universitätsstrasse, im Technopark im Industriequartier, bei IBM in Rüschlikon und im First auf dem Hönggerberg.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz (Deindustrialisierung und Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft), die nationale und internationale Vernetzung mit anderen Hochschulen und Universitäten und die Bildung neuer Departemente an der ETH Zürich verändern die Forschung des Departements Maschinenbau und Verfahrenstechnik. Bereiche wie hydraulische Maschinen, Kältetechnik, Feintechnik oder Textilmaschinen werden nach Professorenwechseln nicht weitergeführt. Die Forschung an Maschinen- und Apparateteilen tritt zugunsten von produkte-, system- und verfahrensbezogenen Aspekten in den Hintergrund. Statt zeitaufwendiger Experimente nutzen die Forscher immer öfter Berechnungs- und Simulationsverfahren – finanziell schlagen die Experimente wegen kostspieliger neuer Messverfahren (Lasertechnik usw.) aber weiterhin beträchtlich zu Buche.
Interdisziplinäre Wissensgebiete erweitern das Forschungsfeld, beispielsweise Mechatronik und Robotik (Verflechtung aus Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik), Verfahrenstechnik (Maschinenbau, Chemie, Biologie) und Energietechnik (Maschinenbau, Physik, Chemie). Ausserdem werden wirtschaftliche und soziale Gesichtspunkte und Auswirkungen auf die Umwelt immer stärker einbezogen. Die heutige Forschung des D-MAVT steht darum in enger Verbindung mit naturwissenschaftlichen Grundlagen, Verfahren der Biowissenschaften, der Informationstechnologie, der Mobilität, der Mechatronik Und der Nachhaltigkeit.
Die wirtschaftliche Entwicklung und die Einführung der Fachhochschulen verstärken und verbreitern das ingenieur- und naturwissenschaftliche Grundlagenwissen in der Lehre und machen das Studium immer wissenschaftlicher. Ein wichtiger Einschnitt war die Umstellung vom Diplomstudium zum Bachelor- /Masterstudium im Jahr 2002, die die europäischen Abschlüsse vereinheitlichen und so die Mobilität der Studierenden erhöhen sollte. Heute bietet das Departement seinen Studierenden nach einem Bachelor-Grundlagenstudium sieben verschiedene Masterstudiengänge an. Auch die Wahl des Tutors und interdisziplinäre
Verflechtungen bringen zusätzliche Wahlmöglichkeiten.
Das heutige Studium in Maschinen- und Verfahrensingenieurwesen ist eine interdisziplinär breit abgestützte Generalisten-Ausbildung. Diese hat das Ziel, die Absolventinnen und Absolventen zu befähigen, Gesamtlösungen für komplexe Systeme und deren Komponenten auf dem Gebiet des Maschinenbaus und der Verfahrenstechnik zu konzipieren und zu realisieren. Das Studium verbindet damit die klassische Disziplinen wie Mechanik, Maschinenelemente, Thermodynamik, Regelungstechnik und Strömungslehre mit Bereichen aus den Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie) und neuen Technologien der Elektronik, Informatik und der Materialwissenschaften. Unternehmerische Aspekte wie Marketing, Finanzen, Recht, Führung und soziale Kompetenzen der Zusammenarbeit in internationalen Teams nehmen dabei einen wesentlichen Anteil ein. Dabei wird es auch in Zukunft nötig sein, das Studium an die gesellschaftlichen und technischen Veränderungen anzupassen, um die Studierenden für ihren beruflichen Lebensweg auszurüsten.
Einer der wichtigsten Namen des D-MAVT ist derjenige von Prof. Stodola. Ein Bericht über ihn, sein Leben und sein Wirken an der ETH finden Sie auf der Aurel-Stodola-Webseite.
1 Unter Verwendung von: 1) Norbert Lang, "Aurel Stodola (1859-1942), Wegbereiter der Dampf- und Gasturbine." Verein für wirtschaftshistorische Studien Meilen. 2) Schrift von Fritz Widmer, emeritierter Professor für Verfahrenstechnik am D-MAVT: Maschinenbau und Verfahrenstechnik (MAVT). Maschinenbau und Verfahrenstechnik. Aufgaben im Wandel.
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